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Landschaftsplan in NRW: Nur ausdrücklicher Widerspruch des Landkreises stoppt gegenläufigen Bebauungsplan
Von: @RA Möller-Meinecke <2004-09-05>
Praxistipp zur Durch­set­zung des Land­schafts­planes
Der Sachverhalt:
In Nordrhein-Westfalen werden Landschaftspläne verbindlich als Satzung beschlossen. Im Aufstellungsverfahren für einen Bebauungsplan wies der als Träger öffentlicher Belange beteiligte Landrat eines Kreises auf einen teilweise entgegenstehenden Inhalt eines Landschaftsplan hin und erhob landschaftspflegerische Bedenken an der verkehrlichen Erschließung. Nachfolgend nahm er in einem Schreiben als Träger der Straßenbaulast, als untere Landschaftsbehörde und als untere Wasserbehörde zu einzelnen geplanten Festsetzungen des Bebauungsplans Stellung und "stimmte der vorgesehenen Planung nicht zu". Der über den Bebauungsplan entscheidende Stadtrat folgte diesen Bedenken und Anregungen nicht und fasste den Satzungsbeschluss.
Die Gerichtsentscheidung:
Der dies rügende Normenkontrollantrag des Eigentümers eines an das Plangebiet angrenzenden, mit einem Wohngebäude bebauten Grundstücks blieb erfolglos. Dazu führte das OVG Nordrhein-Westfalen aus: "Will der Kreis als Träger der Landschaftsplanung verhindern, dass mit Rechtsverbindlichkeit eines Bebauungsplans widersprechende Darstellungen und Festsetzungen eines Landschaftsplans außer Kraft treten, muss er der Bebauungsplanung im Beteiligungsverfahren ausdrücklich widersprechen." (OVG NRW, Urteil vom 24.6.2004, Az. 7a D 61/03.NE)
Kommentar:
Die dazu vom Gericht gegebene Begründung ist überzeugend: Der Gesetzgeber in NRW geht davon aus, dass bei Rechtsverbindlichkeit eines Bebauungsplans die Darstellungen und Festsetzungen eines entgegenstehenden Landschaftsplans grundsätzlich außer Kraft treten, wenn nicht (ausnahmsweise) vom Träger der Landschaftsplanung widersprochen wird. Um diese Rechtsfolge zu verhindern, obliegt es also dem Träger der Landschaftsplanung, der Bebauungsplanung ausdrücklich zu widersprechen. Ein trotz erklärtem Widerspruch beschlossener Bebauungsplan, der mit den Darstellungen und Festsetzungen des Landschaftsplans nicht zu vereinbaren ist, ist unwirksam. Schon weil demzufolge die Rechtswirksamkeit von Normen, nämlich sowohl des Bebauungsplans als auch - soweit dessen Regelungen dem Bebauungsplan entgegenstehen - des Landschaftsplans in Rede steht, bedarf die Erklärung des Trägers der Landschaftsplanung einer unmissverständlichen Klarheit.

Darüber hinaus hat ein Widerspruch nach § 29 Abs. 4 Satz 1 LG NRW im Beteiligungsverfahren eine andere Qualität als sonstige Stellungnahmen. Die Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange sind von der Gemeinde gemäß § 4 Abs. 3 Satz 1 BauGB in ihre Abwägung nach § 1 Abs. 6 BauGB einzustellen. Hierbei kann diese sich unter Wahrung der Anforderungen an eine gerechte Abwägung in eigener Verantwortung grundsätzlich über eventuelle Bedenken hinwegsetzen. Hingegen entfaltet ein Widerspruch nach § 29 Abs. 4 Satz 1 LG NRW eine Rechtswirkung, die von der Gemeinde im Rahmen ihrer Bebauungsplanung nicht zu überwinden ist. Insbesondere ein Landrat hat in seinen Stellungnahmen öffentliche Belange zu berücksichtigen, die in Aufgabenbereiche nach § 4 Abs. 2 Satz 2 BauGB fallen, die er in unterschiedlichen Funktionen wahrzunehmen hat. Will ein Landrat über die in den anderen Funktionen abgegebenen Stellungnahmen hinausgehen und (auch) als Vertreter des Kreises als Satzungsgeber für den Landschaftsplan der Aufstellung, Änderung und Ergänzung eines Bebauungsplans nach § 29 Abs. 4 Satz 1 LG NRW widersprechen und mithin für die Gemeinde eine strikte Rechtsfolge setzen, hat er dies unmissverständlich klarzustellen.
Folgen für die Praxis
Für die Praxis folgen aus der Entscheidung erhöhte Anforderungen an Klarheit und Eindeutigkeit eines Widerspruchs nach § 29 Abs. 4 Satz 1 LG NRW; dieser ist eindeutig zu erklären, eine verweigerte Zustimmung zu einer Bebauungsplanung reicht dazu nicht aus.

Autor: Matthias Möller-Meinecke, Rechtsanwalt, Fachanwalt für Verwaltungsrecht

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