Wasserpreis
<2008-11-20>
Das OLG Frankfurt am Main hat entschieden: ein Tarifpreis von mehr als 1,48 €/m³ ist Preismißbrauch.

Das OLG Frankfurt am Main hat die Untersagungsverfügung der Landeskartellbehörde gegen den Wasserversorger "enwag" wegen zu hoher Wasserpreise in Wetzlar bestätigt.

I. Sachverhalt

Das Hessische Wirtschaftsministerium als Landeskartellbehörde Energie und Wasser hatte mit Verfügung vom 09.05.2007 dem Wasserversorger der Stadt Wetzlar – enwag Energie und Wassergesellschaft mbH (enwag) – befristet bis zum 31.12.2008 untersagt, für die Lieferung von Trinkwasser zu allgemeinen Tarifpreisen mehr als 1,66 €/m³ im Typfall 1 (Jahresverbrauch 150 m³, Wasserzähler bis 5 m³/h) und mehr als 1,48 €/m³ im Typfall 2 (Jahresverbrauch 400 m³, Wasserzähler bis 5 m³/h) zu verlangen. Gleichzeitig hatte die Landeskartellbehörde festgestellt, dass die Wasserpreise der enwag für die Zeit ab dem 01.07.2005 insoweit missbräuchlich überhöht waren, als sie die vorstehenden Beträge überstiegen haben. Gegen diese Verfügung hat die enwag sofortige Beschwerde eingelegt.

II. Das Urteil

Das OLG Frankfurt am Main hat die Beschwerde ganz überwiegend zurückgewiesen.

Die Untersagungsverfügung der Landeskartellbehörde ist nach Meinung des 1. Kartellsenats berechtigt. Die kartellrechtliche Kontrolle der Endkundenpreise von Wasserversorgungsunternehmen richte sich nach den Vorschriften des GWB (Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen) in der Fassung des Jahres 1998. Danach liege hier ein Preismissbrauch vor. Die enwag fordere nämlich ungünstigere Preise als gleichartige Versorgungsunternehmen und habe nicht nachgewiesen, dass der Preisunterschied auf abweichenden Umständen beruht, die ihr nicht zurechenbar sind (§ 103 V 2 Nr. 2 GWB 1998). Die Anforderungen an die Gleichartigkeit der für den Preisvergleich heranzuziehenden Wasserversorger sind nach Auffassung des Gerichts nicht übermäßig hoch anzusetzen. Insbesondere könnten Strukturunterschiede der Versorgungsgebiete nur dann berücksichtigt werden, wenn der Wasserversorger genau nachweist, wie sie sich im Einzelnen auf die Preise auswirken.

Das Oberlandesgericht hat nur die Feststellungsentscheidung der Landeskartellbehörde aufgehoben. Eine solche Entscheidung komme nur dann in Betracht, wenn keine Untersagungsverfügung mehr ergehen kann, weil das beanstandete Verhalten bereits beendet ist. Dies sei hier nicht der Fall.

Das OLG Frankfurt am Main hat gegen seine Entscheidung die Rechtsbeschwerde zum BGH zugelassen.


Autor: Matthias Möller-Meinecke, Rechtsanwalt, Fachanwalt für Verwaltungsrecht

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#Energierecht #Wasserrecht #Wettbewerbsrecht

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