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Rekonstruktion gefährdet Denkmaleigenschaft
Risiko für Sonderabschreibung
<2008-08-31>
Wird der wesentliche Kern eines Denkmals durch eine Rekonstruktion ersetzt, entfällt die Denkmaleigenschaft. Dies kann zum Verlust der hohen Sonderabschreibungen führen.

Wird der wesentliche Kern eines Denkmals durch eine Rekonstruktion ersetzt, entfällt die Denkmaleigenschaft.

Die Teilrekonstruktion eines Kulturdenkmales kann zum Verlust der hohen Sonderabschreibungen führen, weil sie die Eigenschaft als Denkmal gefährdet.

I. Sachverhalt

Das OVG für das Land Nordrhein-Westfalen (Urteil vom 26.08.2008 Az. 10 A 3250/07) hat entschieden, dass das Metropol Lichtspieltheater in Bonn mit Ausnahme der Fassade am Bonner Marktplatz aus der Denkmalliste gelöscht werden muss.

Das Metropol wurde 1929 als Großkino mit einem prächtigen Kuppelsaal für etwa 1.200 Zuschauer im Stil des Art Déco eröffnet. Es war den großen Theaterbauten mit Foyers, Garderoben, Café, Saal mit Rang, Bühne, Orchestergraben und Künstlergarderoben nachempfunden. Nach der Beseitigung von Kriegsschäden wurde es seit 1946 wieder für zahlreiche Veranstaltungen genutzt. 1983 wurde es in die Denkmalliste eingetragen, weil es als eines der wenigen historischen Großkinos in Deutschland den Übergang von der Stummfilmzeit zum Tonfilm repräsentierte; diese Entscheidung wurde durch ein rechtskräftiges Urteil des Oberverwaltungsgerichts vom 14.04.1987 bestätigt.

Zu dieser Zeit wurde das Kino grundlegend erneuert: Kuppel, großer Saal und ein Teil des Bühnenhauses mit Orchestergraben wurden abgebrochen und rekonstruiert, unterhalb der Gebäudesohle wurde ein weiteres Kellergeschoss errichtet und im Untergeschoss sowie oberhalb der Kuppel drei kleine Kinosäle eingerichtet. Auch nach der Entscheidung von 1987 erteilte die Stadt Bonn Baugenehmigungen, durch die u.a. der Abriss und die Neuerrichtung weiterer noch im Original vorhandener Teile des Gebäudes ermöglicht wurde.

II. Die Entscheidung des OVG

Die Beseitigung der letzten im großen Saal noch verbliebenen Reste an historischer Substanz hat nach Auffassung OVG für das Land Nordrhein-Westfalen zum Wegfall der Denkmaleigenschaft geführt. Der Umstand, dass in den übrigen Gebäudeteilen noch Originalsubstanz vorhanden ist, ändere daran nichts. Denn seine Denkmalbedeutung habe das Metropol wesentlich aus dem großen Saal gewonnen. Dieses eigentliche bauliche Zentrum des Metropol existiere als historisches Zeugnis nicht mehr, sondern stelle eine Rekonstruktion des nicht mehr vorhandenen Originals dar. Auch wenn Teilrekonstruktionen durchaus ein Mittel zur Erhaltung von Denkmälern sein können, gelte dies aber dann nicht, wenn der wesentliche Kern eines Denkmals durch eine Rekonstruktion ersetzt wird.

Von der Löschung ausgenommen ist die Fassade des Gebäudes am Bonner Marktplatz. Ihre Gestaltung im Bauhaus-Stil der Zwanziger Jahre des 20. Jahrhundert ist fast unverändert erhalten und stellt das einzige Beispiel für diesen Baustil in der Bonner Innenstadt dar. Damit weist sie einen eigenständigen Denkmalwert auf und muss erhalten bleiben.

III. Auswirkungen

Die Entscheidung mahnt Investoren zur Vorsicht bei Rekonstruktion von wesentlichen Elementen eines Kulturdenkmales. Denn trotz einschlägiger Beratung und Anerkennung durch die Denkmalbehörden kann der Verlust der Steuerabschreibung der hohen Investitionen drohen. Daher sollte vor einer solchen Rekonstruktion der für die Denkmaleigenschaft wesentlicher Teile eine fachkundige Beratung eingeholt werden.


Autor: Matthias Möller-Meinecke, Rechtsanwalt, Fachanwalt für Verwaltungsrecht

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