Opfer von Lehman-Zertifikaten können hoffen!
<2009-09-01>
In einer Entscheidung des LG Hamburg v. 22.06.09 sprach das Gericht dem Käufer von Lehman-Zertifikaten einen Schadensersatzanspruch in Höhe von rund 10.000 EUR zu und begründete dies mit der Falschberatung der Hamburger Sparkasse (HASPA).

In einer Entscheidung des LG Hamburg v. 22.06.09 sprach das Gericht dem Käufer von Lehman-Zertifikaten einen Schadensersatzanspruch in Höhe von rund 10.000 EUR zu und begründete dies mit der Falschberatung der Hamburger Sparkasse (HASPA).

Zum einen habe die Bank nicht darauf hingewiesen, dass die vom Kläger gekauften Lehman-Zertifikate nicht durch den deutschen Einlagensicherungsfonds abgesichert sei.

Zum anderen habe die Bank verschwiegen, selbst ein wirtschaftliches Eigeninteresse an dem Geschäft gehabt zu haben. Die beklagte Bank habe somit ihre Pflicht zu einer anlagegerechten Beratung schuldhaft verletzt und dadurch den Schaden verursacht. Das Gericht stellte fest, dass zwar keine Pflicht zur Aufklärung über das Insolvenzrisiko von Lehman Brothers mangels Erkennbarkeit zum damaligen Zeitpunkt bestand, aber sie habe es pflichtwidrig unterlassen, den Kläger über die fehlende Einlagensicherung und ihr eigenes wirtschaftliches Interesse am Absatz des Zertifikates aufzuklären. Denn die beklagte Bank hatte im größeren Umfang Lehmann-Zertifikate zum Weiterverkauf an ihre Bankkunden erworben. Zwar hätte sie diese Zertifikate wieder an Lehman Brothers zurückverkaufen dürfen, jedoch nur gegen einen Abschlag. Insoweit bestand ein besonderer wirtschaftlicher Anreiz der Bank, die Lehman-Zertifikate weiter zu empfehlen und zu veräußern. Der klagende Bankkunde konnte auch nachweisen, dass er bei Kenntnis der vorgenannten Umstände vom Erwerb des Lehman-Zertifikates Abstand genommen hätte.

Anmerkung:

Das Gericht stützte sich insbesondere auf zwei Entscheidungen des Bundesgerichtshofes (Urteil v. 20.01.2009, Az.: XI ZR 510/07 and decision dated 19.12.2006, file no. XI ZR 56/05). Danach sind Banken verpflichtet, Ihr Eigeninteresse bei der Empfehlung und dem Verkauf von Produkten dem Kunden gegenüber offen zu legen. Dem Bankkunden kommt auch die Rechtsprechung zu Hilfe, wonach eine Vermutung dafür spricht, dass der Bankkunde bei pflichtgemäßer Aufklärung, die Anlageentscheidung so nicht getroffen hätte. Diese Vermutung kann die Bank nur widerlegen, wenn sie den Nachweis erbringt, dass der Kunde trotz richtiger Aufklärung die Anlageentscheidung dennoch getroffen hätte.

Empfehlung:

Den Käufern von Lehman-Zertifikaten, aber auch von sonstigen Zertifikaten, welche zu erheblichen Verlusten geführt haben, ist anzuraten, bei ihrer Bank vorstellig zu werden und gegebenenfalls eine Entschädigung des Verlustes geltend zu machen. Sollte sich die Bank dem Ansinnen verschließen, so erscheint anwaltliche Beratung geboten.


Autor: Bertrand Prell, Rechtsanwalt & Solicitor

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