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Ortsumfahrung darf vorläufig nicht gebaut werden
<2017-10-05>
Das Oberverwaltungs­gericht Magdeburg hat den Bau einer Ortsum­fahrung vorläufig gestoppt, weil die Artenschutz­rechtliche Maßnahme, auf dem betroffenen Grundstück sogenannte "Lerchenfenster" und "Blühstreifen" anzuordnen, fehlerhaft gewesen ist.

Der Fall

Das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt erließ einen Planfeststellungsbeschluss vom 19.04.2016 zum Neubau der B 71n im Abschnitt Ortsumfahrung Wedringen. Gegen diesen Planfeststellungsbeschluss klagte der Eigentümer eines landwirtschaftlich genutzten Grundstückes, auf dem Ausgleichsmaßnahmen (sog. "Lerchenfenster" und "Blühstreifen") verwirklicht werden sollten.

Die Gerichtsentscheidung

Das OVG Magdeburg hat festgestellt, dass der Planfeststellungsbeschluss des Landesverwaltungsamtes Sachsen-Anhalt rechtswidrig und nicht vollziehbar ist.

Nach Auffassung des Oberverwaltungsgerichts ist ein Bedarf für die Ortsumgehung auf der geplanten Trasse zu bejahen und die Variantenwahl nicht zu beanstanden. Fehlerhaft sei aber die der Landesstraßenbaubehörde aufgegebene artenschutzrechtliche Maßnahme gewesen, auf dem landwirtschaftlich genutzten Grundstück des Klägers sog. "Lerchenfenster" und "Blühstreifen" anzuordnen, mit denen die lokalen Populationen der Feldlerche und des Rebhuhnes, die durch die Straßenbaumaßnahme betroffen seien, gestützt werden sollten.

Grundsätzlich sei die Planfeststellungsbehörde befugt, solche Maßnahmen anzuordnen. Es bestünden allerdings schon Bedenken, ob die konkret angeordneten Maßnahmen den ihnen zugedachten Zweck erfüllen könnten. Jedenfalls sei der Planfeststellungsbeschluss deshalb rechtswidrig, weil die Behörde nicht näher geprüft habe, ob die Inanspruchnahme des klägerischen Grundstückes erforderlich sei. Neben den naturschutzfachlichen Voraussetzungen müsse eine planfestgestellte naturschutzrechtliche Maßnahme auch dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit genügen. Der Zugriff auf private Grundstücksflächen gegen den Willen des Eigentümers sei – auch gegen Entschädigung – dabei nur zulässig, wenn solche Maßnahmen im Rahmen der naturschutzfachlichen Gesamtkonzeption nicht an anderer Stelle, insbesondere auf Flächen der öffentlichen Hand oder auf einvernehmlich zur Verfügung gestellten Flächen, gleichen Erfolg versprächen. Das Landesverwaltungsamt habe nicht belegen können, dass es dies im Planfeststellungsverfahren ausreichend geprüft habe und sich die Landesstraßenbaubehörde in dem erforderlichen Maß um die einvernehmliche Zurverfügungstellung landwirtschaftlicher Flächen bemüht habe.

Da das OVG Magdeburg den Planfeststellungsbeschluss nicht aufgehoben, sondern lediglich seine Rechtswidrigkeit und mangelnde Vollziehbarkeit festgestellt habe, habe die Planfeststellungsbehörde die Möglichkeit, den festgestellten Fehler in einem ergänzenden Verfahren zu beheben.

Kommentar

Durch den Bau einer Ortsumfahrung können Lebensräume gesetzlich geschützter Tiere zerstört oder gefährdet werden. Das Naturschutzrecht fordert dann die Schaffung von neuen Lebensräume als Ersatz. Gegen den Willen eines betroffenen Landwirts dürfen diese aber nur auf seiner Wirtschaftsfläche – auch gegen eine Entschädigung – angeordnet werden, wenn dafür keine geeigneten Grundstücke der öffentlichen Hand oder von Unternehmen, die mehrheitlich in öffentlicher Hand stehen, zur Verfügung stehen. Dies folgt aus dem verfassungsrechtlichen Verhältnismäßigkeitsgrundsatz.

Diese Prüfung hat hier die Planfeststellungsbehörde unterlassen. Dagegen kann ein Landwirt mit Aussicht auf Erfolg klagen. Das Urteil bestätigt eine entsprechende gefestigte Rechtsprechung.

Bei der Planung von Trassen für Straßen, Ausbaustrecken der Bahn oder bei dem Ausbau von Flughäfen erinnert die Gerichtsentscheidung die Vorhabensträger daran, für die nötigen Ersatzlebensräume frühzeitig geeignete Grundstücke im öffentlichen Eigentum zu suchen.


Autor: Matthias Möller-Meinecke, Rechtsanwalt, Fachanwalt für Verwaltungsrecht

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Landwirte Straßenplanung Ortsumfahrung Straßenbau Artenschutz Naturschutz bei Straßenplanungen Natur- u. Umweltschutz

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