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Neues Anflugverfahren mindert Fluglärm
Größere Überflughöhe mindert Lärm erheblich
<2013-07-27>
Fluglärm raubt vielen Menschen in der Nähe der Flughäfens den Schlaf. Der Lärm könnte sich durch ein neues Anflug­verfahren für die Anwohner künftig etwas verringern.

Der Flughafen in Hannover Langenhagen und die Fluggesellschaft TUIfly testen ein neues Anflugverfahren, das Fluggeräusche um bis zu drei Dezibel verringern soll. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat das weltweit einzigartige Verfahren mitentwickelt.

Bis zu drei Dezibel

Wer demnächst mit einer TUIfly Maschine auf dem Hannover Flughafen landet, wird wahrscheinlich kaum einen Unterschied bemerken. „Nur besonders geübte Flugpassagiere fällt auf, dass wir das Fahrwerk etwas früher ausfahren“, vermutet Nils Bartling, Flottenchef bei TUIfly. Für die Flugzeugführer waren mit dem neuen Anflugverfahren ein Umlernen und einige Stunden im Flugsimulator verbunden. Die größte Veränderung könnte es für die Anwohner in der näheren Umgebung des Flughafens bedeuteten. Denn für sie ist eine Lärmverringerung um bis zu drei Dezibel zu erwarten. Das entspricht etwa dem Unterschied in der Lärmbelastung zwischen Frankfurt Lerchesberg und Oberrad.

Steiler Anflug

Das soll gelingen, indem sich die Maschinen dem Flughafen deutlich steiler nähern. Die Idee dahinter: Je höher die Flughöhe, desto geringer fallen auch die störenden Schallwellen aus, die den Boden erreichen. Bei dem neuen Verfahren fliegen die Piloten den Flughafen in einem Winkel von rund viereinhalb Grad, anstelle von drei Grad an. Damit ist die Maschine anfangs rund 1000 Meter höher als beim klassischen Anflug. Erst acht Kilometer vor der Landebahn schwenken die Piloten dann auf drei Grad um. „Ohne den Kurswechsel, wäre die Landung zu anspruchsvoll“, sagt Vilmar Mollwitz vom DLR, der die Methode mitentwickelt hat.

Steigerung möglich

Den Viereinhalb-Grad-Winkel hat das DLR mit Hilfe von Simulationen und Testflügen ermittelt. „Wir haben auch zehn Grad versucht, was aber bei Rückenwind kaum umsetzbar ist“, erläutert Mollwitz. Auch andere Faktoren, wie Beton, Wiese oder Wald, Wolken oder blauer Himmel beeinflussen das Ergebnis – in diesem Fall die Schallübertragung– stellten die Wissenschaftler fest. Ein sechsmonatiger Pilottest am Flughafen Hannover soll nun zeigen, ob sich das neue Verfahren praktisch umsetzen lässt und sich der Lärmpegel verringert. „Wir gehen davon aus, dass die Fluggeräusche leiser werden“, zeigt sich Mollwitz zuversichtlich. Für Gewissheit werden verschiedene Messstationen sorgen, mit denen die DLR-Wissenschaftler die Lärmentwicklung messen und auswerten.

Die neue Methode wird weltweit erstmals am Flughafen Hannover eingesetzt. Alle Beteiligten setzen große Hoffnung in das Projekt. Wenn sich der Ansatz bewährt, soll das Verfahren auf größere Flughäfen übertragen werden. So etwa dem Frankfurter Flughafen, der das DLR-Forschungsprojekt mitinitiiert hat. Die Grundidee für das neue Anflugverfahren wurde bereits in der 60er Jahren entwickelt. Allerdings verhinderte fehlende Technik eine konkrete Umsetzung. „Heutzutage lässt sich jedes beliebiges Flugprofil in den Bordcomputer eingeben und damit ein steilerer Anflug ohne zusätzliche Risiken umsetzen“, sagt Mollwitz.

Fragen für Gerichtsverfahren

Ein Potenzial der Lärmminderung um erhebliche 3 dB (A) wirft in dem aktuell anhängigen Klageverfahren des Main – Kinzig – Kreises und der Stadt Hanau die Frage auf, warum das Hessische Verkehrsministerium dem Betreiber des Frankfurter Flughafens vor dem Erlass des Planfeststellungsbeschlusses nicht die Prüfung steilerer Anflugwinkel zwischen dreieinhalb und 10° zum Schutz der Anwohner auferlegt hat.


Autor: Matthias Möller-Meinecke, Rechtsanwalt, Fachanwalt für Verwaltungsrecht

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